PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Oper und weißes Licht

Dreimal war ich dem Tod sehr nahe. Zweimal nicht freiwillig; das letzte Mal endete im Koma. Da hatte ich keine Hoffnung mehr. Ich ging bei meinem Versuch auf eine Art Reise, die mir die Angst vor dem Tod nahm. Ich ging immer schneller, auf ein sehr grelles, weißes Licht zu, wie ich es noch nie gesehen hatte und auch seither nicht mehr gesehen habe. Dabei fiel alles Belastende von mir ab und plötzlich stand alles still und egal wo ich hinsah, überall war dieses Weiß und ich hörte im Hintergrund eine zarte weibliche Stimme eine Oper singen. Ich hasse Opern, aber da hat es gepasst. Von jetzt auf gleich, wurde ich von diesem Ort weggerissen, ich sah, wie ich tief einatmete, wie ich von einem Tauchgang nach oben kommend nach Luft rang. War das der Himmel gewesen? Ich glaube, dass war eine Nahtoderfahrung. Bei den anderen beiden Ereignissen hatte ich nichts wahrgenommen, weder Angst, noch ein anderes Gefühl. Vielleicht auch deshalb, weil es viel zu schnell und unerwartet gekommen war. Man denkt nicht, wenn man zwei Lichter von einem 40-Tonner auf sich zukommen sieht. Da handelt man nur noch in der Hoffnung, das Richtige zu tun. Erst nach dem Aufprall, seitlich an der Leitplanke, im Wissen, das Richtige getan zu haben, schaltet sich das Bewusstsein wieder ein. Was hätte passieren können? Das ist die Frage, die eine Todesangst auslöst; nicht der Moment des Todes.

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