PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Nachruf auf Ursula K. LeGuin

von Magdalena Hangel

She did fly far: Ursula Kroeber LeGuin, US-amerikanische Science Fiction & Fantasy Autorin, ist am 22. Jänner 2018 im Alter von 88 Jahren gestorben. Geboren am 21. Oktober 1929 in Berkley/Kalifornien, als Tochter zweier Anthropolog*innen, wurde ihre Neugierde für die Welt früh geweckt und beeinflusste ihr literarisches Schaffen stark.

Le Guin hat gemeinsam mit Kolleginnen* wie Joanna Russ, Margaret Atwood und Octavia Butler den Männerkult der Genreliteratur aufgebrochen – und eine literarische queer/feministische Revolution begründet, die in einem ständigen Wechselspiel mit den Frauen*bewegungen ihrer Zeit stand. Ihr Schreiben hat Leser*innen auf Reisen durch Kulturen geschickt, die Sexismus, Rassismus, Klassismus und Kolonialismus frontal kritisiert und neu gedacht haben. Gesellschaften, in denen Frauen* dominant sind – The Matter of Seggri* (1994) – andere, in denen Polyamorie die Norm ist – Mountain Ways* (1996) – oder ein Mond zum Zentrum einer feministischen Anarchie gewachsen ist – The Dispossessed/Freie Geister (1974). Ihr Roman The Left Hand of Darkness/Die linke Hand der Dunkelheit (1969) beschreibt eine Kultur ohne Geschlecht – das Zitat „The King was pregnant“ wurde zum Ausgangspunkt für zahlreiche Debatten in Universitäten, Frauen*zentren oder Lesekreisen. Ihre Fantasy Reihe rund um den Wizard of Earthsea/Der Magier der Erdsee (1968) brachte frischen Wind in das Genre und wurde mit jedem Buch explizit feministischer.

Le Guin hinterlässt der Welt 20 Romane, über 100 Kurzgeschichten und Essays. Letztere thematisieren sowohl ihr Schreiben, als auch die Genres, an denen sie mitwirkte, politische Tagesthemen – und nicht zuletzt ihre große Liebe zu ihren Katzen und Katern. Ihr Schaffen bleibt uns frei nach ihrem Motto: It is above all by the imagination that we achieve perception and compassion and hope.

 

 

*Mountain Ways und The Matter of Seggri sind beide in The Birthday of the World (2003) nachlesbar.

Eine Version dieses Nachrufs erschien in der feministischen Zeitschrift an.schläge.