PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

kimmie

Harrie Tosch ist Teil einer queeren Schreibbande mit einem Faible für kaputte Wörter und für die Poesie des ›Fuck You‹.

es frisst mich auf wisst ihr es ist in meinem bauch alles was es anrührt fault oder verschwindet es frisst mich auf das war nicht immer so irgendwann fing es an ich weiß nicht viele wollen das nicht wissen und okay wer es nicht will oder kann gehe raus mache die augen zu verstopfe sich die ohren verkrieche sich ich kanns verstehen das tier in meinem bauch ist so groß so überfressen bald platzt es für mich wird es zeit von ihm zu erzählen bevor ich ganz weg bin begonnen hatte alles an einem heißen tag die sonne fiel durch dicke gardinen schön war es fast alle waren da und saßen am tisch wir feierten ich weiß nicht was das leben wir feierten im wohnzimmer alles war beige der tisch die schränke der teppich die tischdecke nur die gardinen waren weiß mit diesen blumenstickereien und dem feinen netz durch das der staub rieselte wenn die sonne besonders strahlte es war warm draußen die leute waren heiter die luft war klebrig die perligen gesichter am tisch glänzten das habe ich gesehen ich saß zwischen zwei riesen onkel mumfried und onkel egbert der eine hatte einen schwarzen der andere einen braunen bart voll und lang und haarige finger solche finger wollte ich haben später wenn ich groß sein würde starke haarige finger an kräftigen armen und breite kreuze ich war überzeugt ich würde genauso aussehen an diesem tag trug ich einen rock einen dunkelblauen dazu ein t-shirt vielleicht das hellblaue mit der lachenden sonne gegen röcke und kleider hatte ich mich immer gewehrt ich zog an hosen die meine mutter fest umklammerte am ende kriegte ich sie doch heute flatterte ein rock um meine beine ein peinliches kostüm dann gab es dieses und jenes gerücke leute standen auf gingen auf den balkon zum rauchen egbert blieb sitzen und gegenüber sah ich meine flauschige oma oft konnte ich meinen kopf zwischen ihrem arm und ihrem bauch verstecken ich weiß nicht ob auch an diesem tag aber immer wenn opa bernd der bleiche strenge mit den weißen korrekt zurückgekämmten haaren der mit der senkrechten falte auf der stirn immer wenn er seine wut abfeuerte schoss sie aus seinem mund direkt in omas gesicht dann sah ich wie omas kinn zitterte es sagten welche der großvater sei ein wütender mann er habe viel erlebt was das war fragte ich aber niemand wusste es das kinn meiner oma zitterte vielleicht auch an diesem tag und ich musste aufrücken denn es kamen noch mehr schwitzende leute sie gehörten dazu es waren alle da meine mutter auch und mein vater und meine geschwister es gab lautes gemurmel und leute die sich am tisch vorbeidrückten die sich setzten oder aufstanden und dann tauchte onkel mumfried wieder neben mir und neben onkel egbert auf wir hatten jetzt viel gemeinsam ich saß auf und er saß neben egbert wir waren die egbertecke das sagte ich ihm und onkel mumfried ließ seinen goldzahn blitzen ich mochte sein warmes gesicht er war beinahe so flauschig wie meine oma wisst ihr es wird größer erst kam es durch den knöchel meines rechten zeigefingers dort wo die hand sich zur faust einklappt es ist eine narbe zurückgeblieben sie ist rot und leuchtet in der nacht pocht es von innen gegen meine rippen vielleicht schlüpft es durch meinen mund und verschwindet wer raus will sollte gehen ich saß jetzt auf onkel egberts beinen auf seinem schoß also viel weiter oben ich konnte alle sehen und alle konnten mich sehen onkel egberts hände fuhren durch die luft hoch und runter zwei schranken die sich ständig öffneten und wieder schlossen über mir redete er und grummelte sein bart traf meine stirn weil er so lang war und ich schon so groß fast reichte ich bis zu egberts kinn irgendwann plumpsten seine hände auf meinen schoß sie waren schwer zwei kalte dicke klumpen ich sah einen ring an seiner rechten hand das war der goldene ehering egberts hände lagen auf meinen beinen die pranken eines riesen ich kann nicht sagen dass ich onkel egbert mochte ich war einmal dabei wie tante manu ihm sagte er solle nicht so viel trinken er müsse noch fahren und die kinder hinten im trabi er drückte das bierglas gegen seinen brustkorb und starrte sie an als sie fertig war hob er es hoch über ihren kopf er drehte es um alles lief über meine tante er schrie da hast du es sie scheuerte ihm eine es klatschte er schlug zurück das klang dumpf sie taumelte hob den kopf schloss die augen atmete ein ging an ihm vorbei verschwand hinter einer tür und ließ sie knallen onkel egbert marschierte zum kühlschrank holte sich das nächste bier ging raus auf den balkon und rauchte was dann kam weiß ich nicht aber heute blieb er sitzen vielleicht hatte er mit dem rauchen aufgehört obwohl da eine schachtel lag auf der stand cabinet onkel egberts bart kitzelte auf meiner stirn es kitzelte so sehr dass ich kratzen musste ich wollte runter und vor mir sah ich seine hände zwei schranken die jetzt geschlossen waren ich wollte runter und keine umstände machen ich blieb sitzen mit der linken hand kratzte ich und in der rechten hielt ich eine tasse kakao gerne kaut es an meiner zunge sie ist schon halb zerfressen es kriecht den rachen hoch direkt in meinen kopf macht sich schwer und breit ich will alles erzählen bevor es ich hätte es längst schon wer rausgehen möchte sollte es jetzt und ihr könnt es euch ja alles läuft doch darauf hinaus ich kratzte meine stirn mit der linken hand und hielt in der rechten eine tasse kakao und dann spürte ich wie sich eine hand dieser egbertecke unter meinen rock schob durch meinen kopf zuckte etwas und alles wurde starr ich konnte nicht erkennen wessen hand ich wollte zu mumfried gucken aber das ging nicht weil ich die hand fuhr weiter an der seite meines innenschenkels entlang langsam wie eine schnecke die hand war rau egbert schwieg und atmete leise war es mumfried redete und beugte sich vor er stützte seine hände unters kinn ich spürte die pranke zwischen meinen das einzige was ging war das heben ich konnte meinen kopf anheben und schaute zu meiner großmutter aber sie hatte die augen alle saßen da alle hätten mich sehen können meine beine blieben auf egberts beinen er trug dunkelbraune hosen aus cord seine hände lagen auf meinem schoß ich trug keine strumpfhosen draußen war es warm und das leben leicht und die linke hand von egbert schob sich unter meinen rock sie waren alle da sie hätten es alle ich konnte es spüren ich spürte wie meine beine zu klumpen wurden so schwer ich spürte dass ich noch eine haut hatte auf der etwas zwischen den beinen an den innenschenkeln dorthin wo niemand sonst ich weiß nicht wie meine augen aber verrieten sie es nicht ich bewegte sie zur seite da saßen meine tante meine cousine ich bewegte sie zurück da saßen meine oma und mein opa der strenge ich bewegte sie lose durch den ich weiß nicht ob ich meine mutter meinen vater meine geschwister vielleicht waren sie auf dem balkon vielleicht in der küche vielleicht hier irgendwo am ich weiß nicht aber irgendwo waren sie es waren alle und alle hätten alles ich war nicht versteckt ich saß so offen da wie ich es niemals sie konnten alle alles aber sie guckten zu den gardinen sie guckten auf den tisch sie starrten in die luft oder auf den teppich tante manu schaute in die obere ecke links hinter mir vielleicht schielte sie mit absicht an der linken hand von onkel egbert niemand sah zu mir niemand sah zur hand unter meinem niemand sah mir ins gesicht das sicher rot niemand sah den roten luftballon ich weiß nicht wie die hand aussah ich guckte jetzt auf den tisch ich weiß nicht wie der rock machte er nicht einen buckel fiel das nicht auf die hand eines mannes unter dem rock eines und das hatte niemand ich wollte runter zu mumfried aber die schranken waren ich beugte mich vor und stellte die tasse ich stützte meine hände auf den und versuchte meine beine abzu die klumpen ich versuchte meine hüfte von seinem schoß zu aber da waren jetzt seine arme und hände die schranken sie umklammerten mich sie hielten mich er hielt mich fest und niemand sah etwas haha es fiel nicht auf dass jetzt ein kind mit einem und dann musste ich und ich musste es jetzt ich muss mal rief ich riss an den schranken ich riss sie ein und niemand wunderte sich als das kind endlich und onkel egbert sagte was bist du nur für ein ungehöriges ich hörte an seiner stimme wie wütend er war sie verfolgte mich bis ins bad wohin ich schnell ich drückte die tür ins es knackte ich drehte am schlüssel ich hatte es noch nie geschafft die tür abzu meine finger schwitzten und rutschten mein rechter bohrte sich immer fester ins ich bewegte den schlüssel langsam presste ich mich gegen die und irgendwann schnappte das endlich jetzt war ich hier blieb ich saß auf dem deckel dem klo saß auf der bade der kante es dröhnte in meinem ich lief auf und ich legte mein ohr an die lauschte versuchte die stimme meiner mutter die stimme meiner ich fragte mich ob sie kommen um da kam niemand wisst ihr ich weiß nicht was es jetzt ob es immer noch ob es an meiner zunge ob es draußen im wohnzimmer lachten standen sie setzten sich dachte ich einige standen auf vielleicht auch onkel e mit seiner schachtel sie rauchten und lachten onkel e am lautesten so stelle ich mir das in der erinner er musste so laut weil er verloren und er musste noch lauter als sonst oder später damit er der stärkere er musste alles weg wie konnte so etwas wenn die welt so fröh und leicht und unbe war eg lachte und hörte nicht er musste nämlich seit er einmal verloren musste er das war vielleicht der grund dafür dass er später wieder und mit seinen händen seinem bart seinen zähnen er biss in einen luftballon der platzte es knallte die roten fetzen die roten fetzen überall klebten rote an den wänden an den türen an den gardinen ich lief jetzt zum fenster zum bade wisst ihr es war klein mein kopf passte nicht aber ich guckte und sah ein blaues ein dreieck über einem roten dach der himmel der schöne ein blauer ein fächer ein weicher war leicht ein wind im gesicht in meinem war jemand und klopfte meine oma die flauschige kimmie rief sie kimmie bist du noch alles in komm doch ist dir nein ist schon ich ging zum und drehte es hakte meine flauschige sagte es knackte und dann schnappte es und ich kam und meine flauschige lächelte ganz und warm sie nahm meine wir gingen zu und dann weiß ich nicht zum schluss als wir zur tür um nach sah ich meine mutter ihr gesicht aber sie schaute sie nahm mich nicht gut wir gingen dann onkel mumfried blitzte und kniff in meine aber es tat ich wollte keine ich sagte tschüss mummie er sagte ja bis und kimmie halt die dann waren alle und die sonne und als das auto sah ich nur noch rote über und den und ich spürte den warmen den

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