PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Horst Jahns

Horst Jahns lebt als Autor von Lyrik und Kurzprosa in Nürnberg. Nach einer abgebrochenen Lehre als Sozialversicherungsfachangestellter hat er in kaufmännischen Berufen gearbeitet und sich seine literarischen Kenntnisse autodidaktisch angeeignet. „Unterm Strich bleibt, daß man es als Autodidakt doch immer etwas schwerer hat als offizielle Kommilitonen. Man hat all die Jahre über unbewußt immer das Gefühl, man tue (lese, arbeite) zu wenig.“

 

 

vergangen

 

im Ton des Rittersporns

entäußerter Zorn

im Austrieb der Zweige –

hält uns noch immer gefesselt

 

nächtlich umkeucht

blinken im Frühlicht

Gespinste verlorener Einfalt

 

entschwunden alles, was leicht war

einfach zu löschen

unter der Zeit

was immer verschwand

in den Wänden, den Rissen

der Haut

 

 

 

 

 

 

 

 

Lossagung

 

herabgebrannt mit dem Tag

glühen verlassene Felder

in einer Landschaft

die nicht mehr gilt

 

Baumworte rollen vorüber, du fängst sie

mit Augen

zitternd die Hände gekrallt

ins offene Halbrund des Holzes

 

nicht mehr der Lüge

den Ring küssen wollten wir

wollten so manches

doch nicht,

was von innen lauthals

den Mund überfährt

 

am Wegrand der Wiesen gebündelte

Ruten von Weiden,

wo äußerstes Grün sich

so gut vertrug

mit der Neugier bettelnden Hornviehs,

das hingehaltene Träume uns fraß

aus der Hand –

 

dort, mit dem welkenden Rest

eines winddurchschossenen Abends

haltloser Farbe blättern wir, fallen ab

einer vom andern

 

 

 

 

 

 

 

 

Undine

 

taucht ein in den Brodem, der schlammigen Gründen

entweicht, veratmet, umdunstet von Tränen,

Verlorenes, eben das, was sich hinterrücks

 

wie auch rücksichtslos auslässt, die beizenden

Körpersekrete, zersetzende, gleichwohl verätzende Träume

vom Einssein, inkorporiert, vom sturen Gewinnen

 

von sowas wie Glück. Lunarisches Licht

fällt auf die Binsen: Kolben weckt es, durchbricht

den traurigen Schlaf unerlöster Libellen.

 

Stimmen sind zu vernehmen, hauchen ihr Lied

in die Schwere der Luft. Was wandert,

trägt andre Bewegtheit im Blick.

 

Es ist Zeit – ihre Zeit, die sie umtreibt: ein Geist

unter vielen, sucht sie ein Gegenüber,

weiß nichts vom Erbrecht der Plage, von greiflichen

 

Dingen, vom Suchtpotential der Droge Herz. Auch nichts

von Mord. Ich könnte ihr darlegen: die Farbe des Zorns

in den Häusern, den Ehen, die volle Dröhnung,

 

die ihre Opfer nicht sucht, sondern findet in

feuergezeichneten Narbengesichtern wie ihrem.

Schwester, dein Plan, alle Lasten zu tragen,

 

lächelnd, nicht achtend der letzten,

um die es dir ja zu tun ist, geht auf,

wenn du aufgibst. Ich weiß

 

um diese tödliche Konsequenz – lebensraubend

vor allem für mich, ich weiß, ich weiß (und dabei

siehst du mich zwinkern): du steckst das weg,

 

kannst ab, wo andere schlichtweg vergehen

im Schmerz, der jetzt deine Sache ist.

Steig ich, so steige ich hoch, hast du mal gesagt.

 

Traue keinem, der vorgibt – und sei er gesalbt

mit den Wunden einer verordneten Märtyrerschaft –

dein Leidensgenosse zu sein.

 

du hast mich durchschaut: eine Stirne aus Glas,

treibend unter dem unruhigen Spiegel der Nacht,

gefällig noch dem letzten Grund von Tiefe,

 

wo Licht nicht mehr vorkommt – dahin, dahin

willst du, ich weiß. Dort in der Schwärze

wirst du meine verlässlichste Anwältin sein.

 

Nun also. Willkommen daheim.

More in Lyrik #3