PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Gedichte

von Ariane Razavi

I

Wie eine alte Harpyie
mit Migräne.
Nervt Sie bitte nicht.
Sie hat keinen Hunger.
Es wäre sonst nur Gemetzel.
Die Welt so enge.
Spannbreiten
– Bedenken.

 

 

 

 

II

Auch im Jahre 2575 mangelt es mir nicht.
Zumindest an Motten.
Wahrscheinlich kamen sie aus dem fernen Persien.
Hin zu mir. Der Verlorenen.
Sie haben mich gern. So viel ist nun klar.
Terrorschwadronen waren sie einst mir.
An Trennung ist scheint’s nicht zu denken.
Sie visitieren mich.
Gar im Wohnzimmer ein stummer Gruß.
Aufdringlich kann ich sie nicht schimpfen.
Immer nur eine. Von Zeit zu Zeit.
Schwirrflattflattschwirr
Geheimnisleicht
Feenstaub versprühend
Schwirrflattflattschwirr.
Den Tod fürchten sie nicht.
Ganz nah wollen sie mir mitunter sein.
Fast zärtlich ist es zu nennen.
Wenn Flügel mich streifen.
Wenn sie an Wänden mir nahe ruhn.
Sogar sie opfern mir – nicht minder denn ihr Sein.
Zum Neujahrsmorgen.
Zum Neujahrsmorgenkaffeepott da strudelt eine.
„Vergiss mich nicht, so wie Wir gedenken Deiner.“
Ist die Kette von Gold zu binden?
Ein vergangenes Gefühl.
Vergeh oder fühl

Vergeh oder fühl
Vergeh oder fühl.

 

 

 

 

 

III

Kuhle Tage, raue Nächte.
Da rutscht mir manchmal die Hand aus.
Etwas.
Manchmal tut’s auch LEID.
Manchmal rutscht mir die Hand aus.
Oder auch Faust.
Manchmal rutscht mir die Hand aus.
Zu Stift-Peitsche-Pinsel oder Zungen-Zaum-Zart!

 

 

 

 

 

IV

Das ist mein Berlin.
Da mach ich was ich will!
Spielplatzregel lautet:
~ Kopf auf # Arsch zu ~
höchst selten läuft es umgekehrt.
Die Da Diderot – Der Die Das
oder hoffen und bangen gen Nürnberg:
Wie läuft es denn nun mit der Trichterproduktion?

 

 

 

 

 

V

Votzens Zerbrechlichkeit
Kinderarmdick

Nun ist er wach.
Die Augen ungeöffnet.
Er spürt.
Er spürt nach.
Hundeleben, ein.
An den Hundstagen vor 3 Jahren
beschloss er
einzuschlafen –
so fest, so tief…
so tief wie am Grunde aller Knochenreste.
So müd ward ihm.
So sehr.
1 – 2 – 3. Zuck.
Sand zu Diamant.
Graben – überspringen
Schnüffeln – rüffeln
Kauen – verdauen
Heulen, bellen, kratzen, beißen: Jagd+.
Wanderland und -länder.
Traumwunder wundert er.
4 – 5 – 6. Zuck-Zuck.
Er denkt noch:
Ab heute sei mein Name Alice.
Wandern, graben, schnüffeln, kauen, heulen, bellen, kratzen, zerkauen.
Ein ganzes Schloss
zerkaut und wieder neu erbaut.
Raum für Raum,
Zimmer für Zimmer.
Architekt.
Aber für Innen oder Außen?
7.
Der Garten, der Wald.
Dort wo das Drama begann.
Landschaftspfleger.
Aber als Gärtner oder Förster?
Von Weitem lächelt die Herrin im Gruß.
Alles Alice,
Augen auf,
Acht.

More in Lyrik #5