PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Autor_innen der PS#4

Alter

TEXTE VON

and pawe
seit 8 Jahren Teil einer Schreibgruppe, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die politischen Geschehnisse in Österreich und Europa satirisch zu kommentieren, autoritäre Politikformen, die mit neoliberalen, konservativen und rechten ideologischen Versatzstücken operieren, zu demaskieren und zu verspotten. Eine literarische Unterstützung für all jene, die sich für ein Leben in Liebe, Freiheit und Kommunismus stark machen.

Anke Dörsam
Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Anna Dobelmann
ist Trainerin für feministische Selbstbehauptung und Selbstverteidigung und promoviert zu Landkonflikten in Lateinamerika. Politisches Schreiben heißt für sie vor allem zuhören, verstehen, sich hinterfragen, Perspektiven wechseln und das Unsagbare verstehbar machen.

el awadalla
von 1979 bis zur stilllegung des vereins 1987 vorstandsmitglied des arbeitskreises schreibender frauen; seit 1982 veröffentlichungen in zeitungen, zeitschriften, anthologien und rundfunk. mitautorin mehrerer sachbücher (zu den themen sekten, esoterik, rechtsextremismus), vorträge zu diesen themenkreisen. mitbegründerin des lise-meitner-literaturpreises des frauenreferats der hochschülerInnenschaft an der technischen universität wien. herausgabe von dialektgedichten auf bierdeckeln.

Elfriede Jelinek ist Schriftstellerin und lebt in Wien,
dort hat sie in den 90er Jahren das Ernst-Kirchweger-Haus mitbesetzt.

Elizabeta Kostadinovska (aka Lindner) – kommt aus Skopje, lebt in Berlin, ist zerrissen zwischen zwei Kulturen, die sie durch ihre professionelle Zweisprachigkeit literarisch gegenseitig vermittelt. Eigentlich könnte sie bereits reich sein, aber für die Übersetzung anspruchsvoller Literatur, geschweige denn Gegenwartslyrik und Kurzprosa aus den freien Szenen, will keiner bezahlen. Auch das Land Mazedonien ist so unwichtig, dass man es am liebsten ganz ignorieren oder zumindest umbenennen würde.
Ihre redaktionelle, künstlerische und schriftstellerische Existenz ist permanent bedroht, weil sie in keine Schublade passt: sie veröffentlicht mehr in Deutschland, wo sie ihren Lebensmittelpunkt hat und wird fleißig von der Literaturszene in Mazedonien ignoriert, aber in Deutschland ist sie auch nur in bestimmten kleinen Kreisen präsent, weil sie nicht nach dem Betriebsgeschmack tickt. Nach dem Tod des vertrauten Verlegers in Mazedonien, der auch großartiger Freund und Lyriker war, musste sie die Rolle der „bösen Zunge“ in der Literaturszene übernehmen.
Sie hat 25 Bücher übersetzt, wurde für manche auch gewürdigt. Sie leitet zwei Onlinezeitschriften, stellt Collagen und Zeichnungen aus, die experimentelle Texte beinhalten, und hat multimediale poetische Auftritte in Berlin. Sie unterstützt talentierte Autoren und Künstler, liebt großartige Schriften, Zeitschriften und Menschen, die auf die Schönheit in sich und in allem um sich herum achten und würde am liebsten manche von ihnen jedes Jahr zu einem kleinen internationalen Kunst- und Lyrik-Festival in mindestens zwei Ländern einladen, – wenn die Institutionen endlich einen antibürokratischen Sinn entwickelten und diese Veranstaltungen unterstützten .
Zeitschriften:
MK – www.slovokult.eu; DE – www.slovokult-literatur.de Portal DE: www.slovokult.de

Eva Schörkhuber fragt sich immer noch, wie sie* die Reproduktionsmechanismen herrschender Verhältnisse analysieren, unterwandern, sabotieren kann. Und sie* freut sich, dass sie* mit Menschen zusammen arbeiten und schreiben kann, die den Möglichkeitssinn literarischen Schreibens nicht als reine Formalität betrachten, sondern als Mittel und Weg, Zeitgenoss_innenschaften zu leben, zu artikulieren, in Anspruch zu nehmen. Für rebellische Schriftzüge!

Eva Tepest ist Autorin und lebt in Berlin. Am meisten denkt sie über Arbeit, Sex und Intimität nach.

Godiva von Freienthal
Als Kunstschaffende der transluxiden Malerei, von Papier-Installationen, der Inscenierung von Frauenzimmern, Performance und Texten bin ich Nomadin für Frieden und Frau. Ich wandere durch innere Bilder, entlang gesellschaftlicher Dogmen und patriachaler Ödnis. Konsequent verwerfe ich, was meinem Lebenssinn und meinem künstlerischen Gaumen unbehaglich klingt.
Die Dinge beim Namen nennen, Gedankenstränge bis zum oft bitteren Ende formulieren, ist für mich politisches Schreiben und Kunst Schaffen.

grauenfruppe daniela beuren, elke papp, karin seidner, martina sinowatz
die grauenfruppe verfolgt das avantgardistische prinzip der assoziativen montage in wort und aktion. texte und literarische performances im kunst-/kultur-/sozialbereich von seriös bis skandalös. seit mehr als 20 jahren im innen- und außenraum von wien und anderswo.
vier frauen verstehen sich als selbst/kritische feministinnen.
alle vier sind künstlerinnen und haben noch zahlreiche andere beschäftigungen, die ihre kunst inspirieren. allen voran beschäftigen sie sich mit themen, die frauen beschäftigen. sie arbeiten als und nennen sich auch ganz offiziell ein kollektiv und stellen damit die im namen des männlichen geniekults überlieferten egozentrierten, künstlerischen produktionsweisen in frage.
fotos und vieles mehr auf www.grauenfruppe.at

Heidrun Aigner schreibt hin und wieder Miniaturen und Versatzstücke, aus queer_feministischer und antinationaler Perspektive. Sie versucht, nicht wegzugehen, sondern dazubleiben, wenn die Polizei auf der Straße Leute schikaniert und kriminalisiert, egal ob in Wien oder anderswo.

Karolin Kaden
Was ist politisch und wo fängt das alles an? Ich denke, es beginnt dort, wo wir Fragen stellen, Neugierig bleiben und uns mit gesellschaftlichen Themen befassen – Gesellschaft beginnt beim kleinsten Teil, bei einem selbst.
Es gibt z.B, die kleinen Widerständigkeiten: Nicht aufgeben, eigene Wege suchen, Dinge hinterfragen und anzweifeln, sich nicht geschlagen geben, etwas probieren, aktiv werden, besser kleine Schritte als keine, sich äußern, Dinge an- und aussprechen, sich verweigern, nicht nur hinzunehmen, Grenzen zu ziehen. Unseren übergriffigen und kalten Systemen etwas entgegensetzen. Das ist Bewusstseins- und Reflektionsarbeit. Viel geht es auch um Gefühle, oft unbewusst.
Mir geht es um eine grundsätzliche Bedürfnisorientierung als Leitfaden, weg von Gängelungen durch Behörden oder Normen, des einen Menschen über den anderen. Hin zur echten Gerechtigkeit, was für mich nicht heißt, dass alle das Gleiche bekommen, sondern jede*r das, was er/sie braucht.

kaśka bryla ist Mitbegründerin und Redakteurin der Zeitschrift PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb/Politisch Schreiben.

Katharina Pressl findet sprechen schwer, aber will nicht schweigen.

Katherina Braschel verbreitet mit Vorliebe Genderwahnsinn und linksterroristische Umerziehungsideologie. Beispielsweise in DIY-Porn-Zines. Hofft, mit ihrer andauernden Beschäftigung mit queer_crip_feministischen Pornos, alte, weiße Cis-Männer in ihrem Weltbild herauszufordern. Schreibt an ihrem ersten Buchprojekt.

Katja Schraml *1977 in Bayern, lebt in Berlin. Literarisches Debüt mit 37: „Josef der Schnitzer Stumpf“, Roman, KUUUK-Verlag. Aktiv in der Selbst_hilfe PLWHA. Politisch schreiben: Reflektiere die Entwicklung deiner Persönlichkeit im sozialen Kontext – und ver_dichte sie. Geschichten, die noch zu schreiben sind: Mein Vater war 1 Metzger. www.kaschpar.de

Kim Scheunemann
Politisch schreiben, leben und sein heißt, soziale Wirklichkeiten zu hinterfragen und Veränderungen zu provozieren.

Klara C. Zeitz
Ist in Leipzig aufgewachsen, hat in Italien studiert, lebt wieder in Leipzig, fühlt sich im Süden Europas zu Hause.
Politisches Schreiben ist für mich in allererster Linie ein positioniertes Schreiben.
Es geht mir darum, genau hinzusehen, wo sich die Klüfte befinden, wo es schwer ist hinzufühlen. Es geht um Wahrhaftigkeit. Um den Menschen – im Innersten.
Hinschauen, wo Stimmen verstummt sind. Durch das erzählte Wort Sprachrohr werden. Und damit Haltung beziehen, Meinungen vertreten. Das ist politisch.

Kittyhawk wünscht sich mehr Worte mit Wumms, mehr Neugier, mehr queer, mehr Drag, weniger Getöse und keine verfluchte Gewalt, mehr Liebe für alle und vor allem sich selbst, wünscht sich am Ende kein weißes Bettlaken der Kapitulation, sondern eins mit wilden Parolen drauf und den Resten von Körperflüssigkeiten.

Koschka Linkerhand versteht sich als autonome Feministin und Literatin: Autonom, weil sie beides getrennt von ihrer existenzsichernden Lohnarbeit betreibt. In diesem Doppelleben sucht sie die größtmögliche Freiheit im Denken und Schreiben, ist aber häufig sehr müde.
Politisches Schreiben, wie sie es in der vorliegenden Erzählung versucht hat, müsste bedeuten, das eigene Gewordensein auch in den Punkten, die sich am intimsten und individuellsten darstellen, als gesellschaftlich zu begreifen. Die Kunst bestünde darin, diesen gesellschaftlichen Charakter aber nicht als zugrundeliegende Erklärung, als eigentliche oder letztgültige Realität zu setzen. Sie bestünde darin, politische und literarische Kategorien so miteinander zu vermitteln, dass sie sich mit Erkenntnisgewinn und schillernden Brechungen und Widersprüchen ineinander übersetzen lassen.
Dies ist ihre erste literarische Veröffentlichung.

Manuela Bibrach
Meine letzte politische Aktivität war die wiederholte Teilnahme an der Aktion „WOD – Weltoffenes Dresden“ im Februar 2018. Im Rahmen dieser Aktion, die einmal im Jahr stattfindet, wurde auf dem Dresdner Postplatz, einem zentralen Platz in der Stadt, ein Container aufgestellt, in dem unter anderem eine Lesung stattfand. Mit einem Lautsprecher wurden die Texte der Lesenden auf den Platz vor dem Container übertragen, was eine ganz besondere Atmosphäre schaffte. Gelesen wurden neue Texte von Mitgliedern des Literaturforums Dresden, also von Dresdner bzw. (wie in meinem Falle) sächsischen Autoren. WOD wurde als Gegenbewegung zu Initiativen wie Pegida ins Leben gerufen. Es versteht sich als Antwort auf Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Marie Molle
Einmal im ifz unterhielt ich mich mit Freund*innen darüber, wie wir jeweils damit klar kommen, kotzenden Menschen die Haare zu halten. Meine Antwort war “Ich denke, ich kann das ganz gut.”
Darauf folgte der Kommentar “Du bist ja auch Mutti.”
Mutter-Sein lässt an eine dauerhafte Performance denken, wie sähe diese aus? Wie müssen meine performativen Mutterakte aussehen, was muss ich tun, um auch dann Mutter zu sein, wenn das Kind, das ich aus meinem Uterus durch den Zervixkanal in diese Welt gepresst habe, nicht neben mir steht und dabei Mama zu mir sagt? Bin ich in solchen Situationen mehr Mutter als die anderen Personen? Oder muss ich immer und immer wieder die gleiche Geschichte erzählen?

Maxi Obexer wurde in Brixen, Südtirol geboren, wo sie als Teil der deutschsprachigen Minderheit in Italien aufwuchs.
Das Hörspiel „Illegale Helfer“ erlangte im Sommer 2015 mit der sogenannten Flüchtlingskrise eine brisante Aktualität. Aus der Mitte der Gesellschaft erzählen Ärzt_innen, Richter_innen, Sozialarbeiter_innen und Studierende, wie sie ihr Engagement an die Grenzen der Legalität bringt.
2014 gründete Maxi Obexer zusammen mit Sasha Marianna Salzmann das Projekt Neues Institut für dramatisches Schreiben – NIDS. Ein Zusammenhang, eine Plattform, ein Netzwerk, in deren Selbstverständnis es heißt: „Voranbringen möchten wir die stärkere Präsenz von Autorinnen mit migrantischem Background; dies entspricht dem Bedürfnis nach einem Theater, das die internationale Verfasstheit der Gesellschaft stärker als bisher zu repräsentieren vermag und das bereit ist, aus dem Reichtum der kulturellen Hintergründe ihr größtes Innovationspotenzial zu schöpfen.“

Musaab Al-Tuwaijari, im Irak geboren und aufgewachsen, ist 2017 im Alter von 30 Jahren im Beratungszentrum des Roten Kreuzes in Saarbrücken verstorben, wo er als Psychologe tätig war. Sein Schreiben richtete sich gegen den Hass, gegen die Verkürzung, gegen die Polarisierung. Mit Humor lenkte Musaab den Blick auf die irren Momente des menschlichen Lebens, die er im Kleinen, im Alltäglichen, im genauen Hinsehen fand. Er war Teil des Netzwerkes NIDS (Neues Institut Für Dramatisches Schreiben).
Die PS-Redaktion trauert um einen Freund und Mitstreiter des kritischen, des politischen Schreibens, des Anschreibens gegen eine Alltäglichkeit, die wir so nicht hinnehmen möchten, aber für eine Welt, die wir aufzugeben nicht bereit sind.

Nici versucht sich seit einigen Jahren als Feminist_in und Aktivist_in in Wien. Schreiben ist für Nici eine Möglichkeit der Selbst-Therapie, um Erlebtes zu verarbeiten und eine andere Perspektive darauf zu ermöglichen.

Nora Müller – „20 jahr, blondes Haar…so stand sie vor mir“ Lieder strömten seit Kindheitstagen in mich ein, nun bin ich 25 und um kein graues Haar älter. Politik lange abgelegt, nun ist es der Lebensgeist, der mich hält. Körperlich manifestierte sich Einiges in den letzten Jahren, dies drückte sich in Schrift und Stimme aus. Meine Stimme kann nun wieder leben. In der Literatur damit ein Zeichen sichtbar machen ist mein Lebensinhalt.

Ovid Pop hat Politikwissenschaft und Soziologie in Cluj, Bukarest und Wien studiert.
Zusammen mit der Aktivistin und Kuratorin Radostina Patulova ist er Mitgründer von kollektiv sprachwechsel: Literatur in der Zweitsprache, einer Schreibgruppe von Menschen, die Literatur in Deutsch als Nicht-Muttersprache schreiben. Seit 2016 organisiert kollektiv sprachwechsel öffentliche Lesungen und Gespräche und koordiniert Schreibwerkstätten in Wien. Das Ziel des kollektivs ist es, einen autonomen Schreibmodus zu entwickeln, der jenseits von Grammatikregeln und ethnozentrischen Zwängen sich ausdrückt.

Papa liebt dich:
Autorin:
Sivan Ben Yishai ist in Jerusalem aufgewachsen, 2013 zog sie nach Berlin. Sie schreibt über Krieg im Frieden, Cappuccino und Tränengas, Papas, deren Zeit vorbei ist, und überhaupt über den gemütlichen Menschen, und wozu der fähig ist. – – sivanbenyishai.com

Übersetzerin:
Maren Kames lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Sie schreibt querbeet ohne Rücksicht auf Genregrenzen, dafür immer am Rhythmus entlang. Ihren ersten Text ‚Halb Taube Halb Pfau‘ hat sie in verschiedene akustische, visuelle und performative Räume und Aggregatzustände übersetzt, als Buch ist er 2016 im Secession Verlag für Literatur erschienen. 2016 hat sie sich in Sivan Ben Yishai verliebt und arbeitet seitdem als deren deutschsprachige Zwillingsstimme.

Dramaturg:
Mazlum Nergiz ist in Hannover aufgewachsen, fast genau zwischen dem Grab von Kurt Schwitters und dem 1934 von Zwangsarbeiter*innen errichteten Maschsee, dann doch aber die meiste Zeit am tristen Stadtrand. Er entwickelt zusammen und alleine Theaterstücke, Hörspiele und Performances, die nie und mit nichts fertig werden (Arbeit): Zweifel, Misstrauen, Erschöpfung und Ungeduld. Alles, was spricht, aber trotzdem verschweigt, ist für ihn von besonderem Interesse.

Pega Mund – arbeitet als Psychologin im heilpädagogisch-therapeutischen Bereich mit Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien. Schreibt/veroffentlicht seit Ende 2014 Lyrik/kurze Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien, zuletzt in Versnetze_elf. Begegnungen, Berührungen aus dem beruf- lichen Alltag fließen in die Schreibarbeit ein. Schreiben ist (auch) Resonanz- und Spiegelbewegung. Im Fokus: Verwerfungen, Brüche, Risse, Wunden, Narben; Kon- trollverluste, das Sterben, der Tod; Randzonen, Transiträume, prekäre Balancen; Metamorphosen, Wachstumsprozesse, Heilungsmomente; Demut und Wut.
Blog: http://driftout.wordpress.com

Ricarda Kiel – Geboren 1983. Ich bin eigentlich gelernte Goldschmiedin, arbeite aber inzwischen fast nur noch am Computer, und das Handwerk fehlt mir. Ich habe nichts studiert, nichts gewonnen, nichts verö entlicht. Ich helfe hauptsächlich weiblichen Selbständigen dabei, sich sicher und für sie passend im Internet zu zeigen, ich mache Websites mit ihnen, aber es ist eigentlich so viel mehr – es geht um ihre Sichtbar- machung und darum, dass sie nutzen können, was sie bereits alles gelernt und sich erarbeitet haben. Ich habe den feministischen Blog wepsert.de mitgegründet, wo wir gemeinsam Essays schreiben und Frauen porträtieren, die uns beeindrucken. Ich habe zusammen mit einer Freundin-Kollegin die Plattform patchwork-arbeit.de gegründet, auf der wir untersuchen, was es mit uns macht, dass wir immer an zig Themen gleichzeitig arbeiten und zig verschiedene Rollen dabei ausfüllen.
Ich schreibe Texte, um zu fühlen, was andere fühlen und um zu fühlen, was ich selber fühle. Ich will mich mit meinen Texten selber verkörpern, meinen Platz ausfüllen und ausloten, wie sich Platz ausfüllen und Verkörperung für andere Menschen anfühlen. Beides sind für mich politische Akte: Sich tief in andere und in sich selber hineinzuver- setzen, zu spüren, was da ist und es nicht verändern oder verbessern zu wollen, sind Haltungen, die weder von einem kapitalistischen noch von einem patriarchalen System gefördert werden.
Ich schreibe für meine Freundinnen, weil ich will, dass sie meine Worte lesen, weil ich ho e, dass sie sich in ihren Durcheinandern stark und normal fühlen können. Ich schreibe, weil ich das Oben und das Unten gleichzeitig berühren will, weil auch diese Verknüpfung ein politischer Akt ist. Ich schreibe, weil ich Raum einnehmen will und weil ich will, dass andere auch Raum einnehmen, weil ich die Nase voll davon habe, wie wir (wir die Sensiblen, wir die Langsamen, wir die Zögerlichen, wir egal welchen Ge- schlechts) uns in Bildschirmen und Unsicherheiten vergraben, und damit Zeit und Macht verschenken.

Ronya Othmann, lebt in Leipzig und hält ihre Katze oft davon ab, sich auf dem Laptop schlafen zu legen. Letzte politische Aktion: Bücher des rechten Antaios-Verlages auf der Buchmesse mit Kaugummis verkleben und eine kurdische Lesung veranstalten.

Ruth Karl wohnt in Karlsruhe (vermutlich, weil der Name der Stadt so gut zu ihrem eigenen passt). Momentan lebt sie ihre Widerständigkeit eher im Alltag und im Schreiben. Mit anderen zusammen diskutierte sie zuletzt: Wie könnte ein solidarisches Gesundheitswesen aussehen, und wie kommen wir dahin? (Spoiler: Die Antwort liegt wahrscheinlich jenseits von Kapitalismus und allen Formen struktureller und kultureller Gewalt.)

Sabina Lorenz – war von 2002 bis 2009 Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „außer.dem“ und Mitglied der Autorengruppe „Reimfrei“. Schreibt Lyrik und Prosa und sucht immer wieder aufs Neue nach einer Sprache im Labyrinth aus Geschichten. Texte entstehen nicht im Vakuum. Sie sind Ausdruck einer Perspektive auf die Welt. Liebesgedichte nden im gesellschaftlichen Raum statt. Politische Haltungen dringen in unsere Beziehungen hinein. Menschen und ihre Persönlichkeit sind geprägt durch die Zeit, den Umstand, den Ort. Es gibt nie nur eine Geschichte auf einmal.
Im Web: http://www.reimfrei.de http://www.poetenladen.de/sabina-lorenz.htm

Sabine Scholl war Redaktionsmitglied von barracuda (linke Zeitung), idewe (Schülerzeitung) und schrieb Texte für die AUF (feministische Zeitschrift).
1988 schrieb sie eine Reportage über die Dörferzerstörung in Siebenbürgen. Sabine Scholl war Anhängerin der „schwarzen botin“ (Wien – Berlin – Paris) und beschäftigt sich Zeit ihres Lebens mit transnationalen Phänomenen und Literatur zwischen den Sprachen und Kulturen.

Sofie Lichtenstein ist Autorin, intersektionale Feministin und Herausgeberin im SuKuLTuR Verlag. Gegenwärtig fragt sie sich, was es über den aktuellen Kunstbegriff aussagt, wenn zahlreiche Menschen, zumal jene des sog. Bildungsbürgertums, anlässlich des Verzichts auf die Verwendung diskriminierender Termini die Kunstfreiheit gen Untergang streben sehen. Aber nicht nur das.

Tamara Imlinger lebt in Oberösterreich – seit kurzem wieder, das vergangene Jahr verbrachte sie in Leipzig. Dort probierte sie vier verschiedene Wohnformen aus und besuchte eine Textwerkstatt am DLL. Zu ihren bisherigen Erfahrungen mit dem eigenen Schreiben – Songtexte, Wissenschaft, Journalismus – holte sie sich Werkzeuge und Mut fürs Literarische Schreiben. Im Dschungel der Disziplinen und Genres bleibt ihre feministische Perspektive auf Veränderungen und das Gehörte gerichtet.

Theresa Luise Gindlstrasser war 2018 in der Jury von kültüř gemma!, einem Programm zur Förderung migrantischer Kulturproduktion in Wien.

GESPRÄCHE MIT

Julietta-Ruth Fix ist Gründerin von Fixpoetry.com. Im August 2018 resümiert sie: Wenn ich heute lese, wie ungezwungen und guter Dinge ich noch vor einigen Wochen war, staune ich über mich selbst. Es hat sich viel ereignet. Die Finanzbehörde Hamburg, die die Kosten meiner kurzen Verlagstätigkeit sowieso nur unter Vorbehalt anerkannt hatte, hat mich aufgefordert, die säumige Steuerschuld nebst 6 % Zinsen nachzuzahlen, da nicht erwartet werden kann, dass Fixpoetry diese in den nächsten 25 Jahren erwirtschaftet. Außerdem wird Fixpoetry nicht als wirtschaftliches Unternehmen anerkannt, sondern als die Beschäftigung einer gutsituierten Frau, die für das Alter eine prestigeträchtige Aufgabe sucht. Diese Einstufung nennt man in Steuer- sachen Liebhaberei. Ich habe Klage eingereicht. Wir haben uns verglichen, trotzdem ist noch eine hohe Summe geblieben, für die ich jetzt au ommen muss. Scheitern darf man, aber nur ein bisschen. Und ganz sicher nicht, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Der Status der Liebhaberei wurde abgewiesen, Fixpoetry ist also weiterhin eine ernstzu- nehmende Plattform für Literatur, die man gerne auch liebhaben kann.

 

Sandra Uschtrin ist Verlegerin und Herausgeberin der „Federwelt“ und des „selfpublishers“.

 

Heike Geißler macht nicht mehr mit