PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

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Dora Trohar

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Dora Trohar

III

Dora Trohar

II

Dora Trohar

Seabees

Esther Dischereit.
Ich hatte ein Weinglas in der Hand und sprach mit den Offizieren und Kommandeuren. Ihre Bügelfalten blieben makellos, und auf den Uniform-Jacken schien der schwarzschwere, mit Sahne bestrichene Kuchen keine Krümel oder Flecken zu hinterlassen. Ihre Gesichter waren glattrasiert und ihr Reden war höflich und gebildet. Sie interessierten sich für Deutschland, allein schon wegen des Falls der Mauer und wegen des umfangreichen Kartenmaterials, das sie einstmals zum Verlauf des Zweiten Weltkriegs studiert hatten.

Der Literaturnobelpreis als Agent einer universellen Kanonisierung

Eva Shörkhuber.
Statistisch gesehen ist das Nobelpreis-Etikett vorgesehen für einen männlichen, weißen, 65jährigen Schriftsteller, der für seine in englischer Sprache verfassten Prosawerke bereits andere, symbolisch hochdotierte Auszeichnungen erhalten hat.

Aufsichtsprüfung

Elena Messner
Es müsse im Zuge eines „Frisierens“, wenn eine Bilanz gefälscht oder eine sprachliche Äußerung manipuliert würde, für das „Kapital“ und ebenso die „Sprache“ gelten, dass beide nicht von böswilligen Subjekten durch deren manipulierende Gesetze missbraucht würden. Die Vortragende zitierte: „Diskurs“ sei nicht nur das, was die Kämpfe oder die Systeme der Beherrschung in „Sprache“ übersetze. Diskurs sei dasjenige, worum und womit man kämpfe. Dies müsse nun, so wiederholte sie ihren Gedanken, umgelegt werden auf das Kapital und die zu frisierenden Bilanzen.

Im Anfang liegt das Ende schon so nah

Andrej Paulitsch.
So eine Geburt ist in Innsbruck eine schrecklich langweilige Angelegenheit. In Wien, so hatte ich gehört, singen die Sängerknaben, wenn man zur Welt kommt. In Innsbruck sang niemand. Alle blickten gelangweilt in die Gegend und interessierten sich kein bisschen für mich. Der Oberarzt kämpfte tapfer mit seinen Emotionen, bis er schließlich tief seufzte: „Ein letztes Mal nur …“ Dann ging er in Position und streckte seinen rechten Arm aus. Meine Mutter las im Bett liegend den Beobachter und mein Vater flirtete durch das geschlossene Fenster mit der Hebamme, die sich mit der Schere die Fingernägel putzte.

PS im Gespräch mit Sabine Scholl

Angedachtes Thema des Gesprächs war das digitale Verlagsprojekt Fiktion (http://fiktion.cc/). Letztlich ging das Gespräch weit über Fiktion hinaus.

Ein Interview mit Michael Krüger

Auf der Leipziger Buchmesse 2015 sprach die PS-Redaktion mit Michael Krüger darüber, wie der deutsche Literaturbetrieb nach und nach von Frauen übernommen wird.

Existenzbedingungen des Schreibens. Zur Ideologie der Unbedingtheit

Anna Kow.
Die Selbstreflexion des Autors als in gesellschaftliche Produktionsbedingungen eingebundener wie auch eine ideologiekritische Betrachtungsweise von Literatur sind nicht also gerade en vogue. Woran das liegen mag, und worin ggf. die Differenzen zu anderen Kunstformen liegen, innerhalb derer ein (pseudo) gesellschaftskritischer Gestus schon längst zum guten Ton gehört, wäre noch zu untersuchen.