PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Auf dem Schiff mit Majakowski

von and pawe

Ich habe Kuba verlassen. Am 1. November stieg ich in Mariel, 40 Kilometer westlich von Havanna, an Bord des Frachtschiffs Ikaria, um nach Europa zurückzukehren. Ich habe dafür bezahlt, werde verköstigt und verpflegt und kann auf dem Schiff, soweit es möglich ist, meinen Neigungen nachgehen. Morgens nach dem Frühstück eine halbe Stunde Tischtennis mit dem 2. Offizier, abends Schach mit dem Kapitän, dazwischen lesen, schreiben, zwei weitere Mahlzeiten und viele Stunden auf der Brücke. Ich genieße die Landschaft, in diesem Fall: Wasser. Die restliche Zeit verbringe ich in meiner Kabine. Klein, kompakt, die Kästen und Schränke verschließbar, auf den Ablageflächen rutschfeste Matten, damit bei Wellengang keine Gegenstände durchs Zimmerchen fliegen. Das Bett auf Bullaugenhöhe, dort sitze ich, träume vor mich hin, erinnere mich an Kuba und schaue hinaus auf die Containerreihen. Sie reichen bis knapp unter das Bullauge. Seitlich und vorne erstreckt sich das Meer. Die ersten Tage überkam mich ein seltsamer Schwindel. Keine Seekrankheit. Die Dimensionen hatten sich verschoben und ich mich mit ihnen. Das riesige Frachtschiff wurde kleiner, die Container zu Kinderbausteinen, meine Wege kürzer, hinunter zur Messe, hinauf zur Brücke, hinaus auf den Seitenbalkon, den Nog. Ein frischer Wind wehte, die meterhohen Wellen schoben sich gleichgültig unter das Schiff, ich wuchs mit dem Blick über den sich ringsum ausdehnenden Atlantik, der am Horizont mit dem Himmel eine schaukelnde Linie bildete, in der alles verschwand.

Eigentlich wollte ich ein paar Monate länger auf Kuba bleiben, aber mir wurde es plötzlich zu eng. Von Anbeginn konnte ich mit dem Lebensgefühl, der Musik, dem Tanz und dem ganzen Revolutionsgefasel wenig anfangen. Mir war, als hätten sie den Menschen die Klischees mit bittersüßem Sirup auf den Leib geklebt, sie zu Figuren gemacht. Zu Statist_innen einer touristischen Marke. Das Phänomen aller beliebten Reisedestinationen. Du sitzt in einer Bar in Habana Vieja, trinkst Havana Club, rauchst Cohiba, bewegst deine Hüften zu Sambarythmen und stehst auf der Seite des Sozialismus. Wo kann man das schon in Europa?
Ich konnte dem nur wenig abgewinnen. Er hat gemeint, er möchte noch bleiben. Dieser Gruppe beim Aufbau des sozialen Zentrums helfen. Taller Libertario Alfredo López heißt sie, benannt nach einem Anarchosyndikalisten der 20er Jahre. Ich habe gesagt, gut, dann hast du wenigstens etwas zu tun hier. Ich fahr zurück.
Wir waren zu zweit nach Kuba geflogen. Noch vor dem Sommer. Haben uns in Centro Habana eine Unterkunft genommen und gemeinsam einen Sprachkurs besucht. Das klappt zwischen uns recht gut. Wir sind ein eingespieltes Gespann. Aber Sommer in Havanna ist natürlich ein Wahnsinn. Oft hatte ich das Gefühl zu ersticken. Die Abgase der alten Schrottkisten, die Hitze und diese schwere, stehende Luft in den Räumen. Im September gingen dann die Hurricans los. Gleich zu Beginn kam Irma. Zum Glück waren wir nicht in Havanna, sondern im Nordwesten, in der Ortschaft Viñales. Während der Sturm die halbe Stadt zerlegte und die Viertel am Malecón überschwemmte, radelten wir durch eine romantische Landschaft. Die Provinz heisst Pinar del Río. Breite Täler mit grünen Kuppen. Ist in jedem Reiseführer zu finden. Es regnete nicht einmal.
Erst im Oktober fuhren wir wieder zurück in die Stadt. Unsere Unterkunft war zerstört. An den Wänden konnten wir sehen, wie hoch das Wasser gestanden hatte. Die Vermieterin war verzweifelt. Die Sachen, die wir bei ihr gelassen hatten, hatte sie in Sicherheit gebracht. Wir gaben ihr etwas dafür. Sie quartierte uns bei einer Freundin ein. Deren Wohnung lag ein paar Häuser weiter im dritten Stock. Sie war unversehrt geblieben. In diesen Tagen fasste ich den Entschluss, wieder nach Europa zu fahren. Aber nicht zu schnell. Über eine Wiener Freundin erfuhr ich von der Möglichkeit, mit Frachtschiffen zu reisen. Ich meldete mich bei einer Agentur und hatte Glück. Eine Buchung war Tage zuvor kurzfristig storniert worden. Deswegen war auf dem nächsten Schiff nach Europa noch eine Kabine frei. Zielhafen Genua. Ich nahm sie.

Seit vier Tagen bin ich nun schon auf dem Schiff. Am ersten Tag umkurvten wir die Bahamas. Jetzt befinden wir uns irgendwo mitten im Atlantik. Heute morgen meinte der Kapitän, dass er den Kurs etwas südlicher halten wird, denn vom Norden breitet sich ein Tiefdruckgebiet aus. Zunächst verstand ich nicht sofort, dann zeigte er mir auf einem Bildschirm die Wetterkarte. Ein dicker, roter Ballen saß im nördlichen Atlantik und strahlte unförmig gelb rings um sich aus. Dann fuhr er mit dem Cursor auf Zahlen die auf gepunkteten Linien lagen. Acht Meter, sieben Meter, sechs Meter und so weiter. Das sind die Wellenhöhen. Wir werden bei vier bis fünf Metern liegen. Das sei kaum der Rede wert, meinte er. Ich war beruhigt.
Nun sitze ich in meiner Kabine. Das Mittagessen schmeckte. Einen Teil der Nachspeise habe ich mir mitgenommen. Vor mir der Laptop. Ich beginne mit meinen Atlantik-Aufzeichnungen über Majakowski, die Totalisierung, das Enden und Ikaria.

 

Majakowski in Kuba

In Havanna hatte ich mit dem Buch „Wie macht man Verse?“ von Majakowski begonnen. In dem gleichnamigen Aufsatz geht es unter anderem um eine Auseinandersetzung mit den Dichter Sergej Jessenin. Majakowski kannte ihn. Auch wenn er ihn abfällig als einen Provinzler beschrieb, schätzte er ihn und registrierte, wie er mit den Jahren seine schrullige, bäuerliche Kleidung und seinen Habitus abzulegen und in moderner Städterkleidung auf den Künstler_innentreffs aufzutauchen begann. Doch er blieb im Übergang, hin und her gerissen zwischen Folklore und dem neuen Zeitgeist. Zu Beginn der Revolution war er wie viele Künstler_innen auf Seiten der Bolschewiki, wendete sich jedoch bald enttäuscht von ihnen ab. Zehn Jahre später wird sich Majakowski ebenfalls abwenden.
Jessenin schrieb handwerklich gut gearbeitete Gedichte, die durchaus Popularität genossen, aber für den vorwärts drängenden Majakowski blieben sie rückständig. Er, der die Futuristen bereits hinter sich gelassen hatte, marschierte längst schon im Gleichklang mit den Bolschewiki. Die beiden kannten sich also, wie man sich eben so kennt, als Dichter, die in künstlerischen, literarischen Zirkeln verkehren, sie trafen sich wohl an manchen Kreuzungen, sagten einander Hallo und gingen weiter. Bei ihrer letzten Begegnung war Jessenin betrunken, wirkte heruntergekommen und war vom Alkohol bereits schwer gezeichnet. Majakowski beschrieb es, als wäre dessen bevorstehendes Ende die logische Konsequenz.
Dann fuhr Jessenin eines Tages nach Leningrad, schloß sich in einem Hotelzimmer ein, schnitt sich die Pulsadern auf und erhängte sich an einem Heizungsrohr an der Decke. Am Tisch fand man ein Abschiedsgedicht, ein mit seinem Blut geschriebenes Abschiedsgedicht. Die letzten Zeilen lauteten:

„Sterben ist im Leben wenig neu,
doch auch Leben, freilich, ist nicht neuer…“

Nun kam Majakowski auf eine Idee – denn die sowjetische Kunstwelt war ganz aufgewühlt, überall Beileidsbekundungen und Nachrufe, alle literarischen Schwer- und Leichtgewichte meldeten sich zu Wort, Jessenins Abschiedsgedicht wurde sogar in Zeitungen veröffentlicht – dieses „starke Gedicht“ musste entkräftet werden, bevor sich noch mehr Menschen, angespornt von diesen Zeilen, das Leben nahmen. „Gegen dieses Gedicht konnte und musste mit einem Gedicht vorgegangen werden, ausschließlich mit einem Gedicht.“

Von dieser Dringlichkeit war ich beeindruckt. Als wir an einem Augustabend den Malecón entlang spazierten, erzählte ich ihm von Majakowskis Problem, ein wirkungsvolles Gegengedicht zu schreiben. Wir gingen bis zur Hafeneinfahrt, dann drehten wir um, gingen wieder retour nach Centro Habana und währenddessen erzählte ich. Mir war klar, dass es hier nicht nur um den Selbstmord ging, sondern um viel mehr. Um alles.
„Majakowski schreibt in diesem Text“, erzählte ich, „dass er nun den Kampf gegen dieses Abschiedsgedicht aufgenommen hat.“
„Das von Jessenin?“
„Ja, genau. Mit der Zielsetzung, die Abschiedsverse und den Selbstmord zu einer Nebensache zu machen. Verstehst du? Er schreibt hier wortwörtlich – ‘an die Stelle jener billigen Schönfärbung des Todes eine Schönheit anderer Art zu setzen’, – und weißt du, welche Schönheit das ist? Also, schlussendlich liegt sie im revolutionären Einsatz für die Bolschewiki. Dem, wegen der ganzen autoritären Vorgaben und dem unfähigen Bürokratieapparat, wirtschaftlich katastrophalen Zustand will er ein Gedicht entgegenstellen. Verrückt, nicht? Um die Kräfte des Proletariats zu mobilisieren. Für die Aufbauarbeit. Ein Gedicht, um die nachrevolutionären Krisen und Nöte zu vergessen.“
„Eine Art Durchhaltelyrik.“
„Genau. ‘Daß wir die Lebensfreude besingen, die heitere Zuversicht des ungemein schweren Marsches in den Kommunismus.’ Das schrieb er. Aber weißt du warum? Weil das einzelne Leid und Scheitern, dieser selbst gewählte Freitod, zu gut in das Bild des allgemeinen Leids und Scheiterns passte. Die individuelle Tragödie wird in der allgemeinen gesellschaftlichen Tragödie sichtbar, und deshalb musste dem entgegengearbeitet werden. Beides musste umgeschrieben werden. Das ist die Totalisierung. Denn jeder Kritikpunkt stellt das Gesamte in Frage.“
„Du glaubst, hier ist das auch so?“
„Klar. Kannst du dich an unseren ersten Tag im Sprachkurs erinnern? Wir hatten diese Führung durchs Universitätsgelände, am Schluss landeten wir im Festsaal und der Mann vom Universitätssekretariat redete drauflos. Von Castros Zeit als Student, dem revolutionären Kampf der Student_innen, dem guten Bildungssystem, und dann kritisierte er die US-Politik sowie das Embargo, um in weiterer Folge damit zu erklären, dass es in Kuba noch einige wirtschaftliche Probleme gäbe und so weiter.“
„Ich kann mich erinnern. Das war ´ne Rede, fast schon in castroischer Dimension.“
„Ja, und dann kam die Fragerunde. Gleich zu Beginn stellte dieser kanadische Student die dämliche Frage, warum die Straßen in Havanna so verschmutzt wären und es so wenig Mistkübel gäbe.“
„Die meisten haben gekichert.“
„Nicht der Sekretär. Er begann sofort die kubanische Revolution zu verteidigen, redete vom Elend unter der Herrschaft Batistas, wie verhasst er war, wie viel die Revolution in den Jahrzehnten erreicht habe, dass Kuba wegen des Embargos in einer schwierigen Lage stecke, und dann lächelte er…“
„… er überlegte und meinte, dass das Müllproblem jetzt wahrscheinlich nicht der USA angerechnet werden könne, aber…“
„… es natürlich noch Schwachpunkte gäbe. Aber der Punkt ist doch, wer durch die Universität oder die Straßen geht, sieht ja, dass es keine Schwachpunkte sind, sondern Verfallserscheinungen.“
„Ja, das ist offensichtlich.“
„Aber in einem autoritär geführten Staat, an dessen Spitze eine zur Hälfte sichtbare, zur Hälfte unsichtbare Clique steht, dürfen die Versäumnisse, die fehlerhaften Punkte, von den Beherrschten nicht angesprochen werden. Die Clique darf Selbstkritik üben, der alte Che war ja darin ein großer Meister, Kritik darf ins allgemeine Gemurmel, Gestöhne und Schnauben untergemischt werden, aber sie darf keine Öffentlichkeit erreichen. Denn die Kritik verweist hier immer schon aufs Ganze. Das ist es doch.“

 

Über die verschiedenen Enden

Die liberale, alternativlose Wirklichkeitsform setzt ihre ganze Kraft in die Auswahl. Du kannst ja wählen. Sogar Parteien. Eine, die dir zu Gesicht steht, die dich gerade anspricht oder mit der du einfach ein Zeichen des Protests setzen möchtest. Diese Form der Wahlmöglichkeit, die für eine breite Gruppe von Menschen geschaffen wird, gleicht der, die Konsument_innen in der Warenwelt haben. Die Glücklichen, die es sich aussuchen können! Da präsentieren Parteien ihre Politiker_innen wie Unternehmen ihre Waren und die ganze Entscheidungskraft, die ganze Verantwortung konzentriert sich um dieses souveräne Ich. Mittig steht es und bewundert dieses Schauspiel, das Wahlkarussel, grell blinkend, diffus schwirrend, mit viel Gelächter und Geschrei. Die Möglichkeit, zu wählen, macht Scheitern zum Ausdruck individuellen Versagens. Und dennoch – es kommt zu einem Ende.
In einem unserer ersten Gespräche, als ich mich fasziniert von der Größe des Frachtschiffs zeigte, erklärte der Kapitän lächelnd, dass dieses Schiff zu den kleineren zählt. Heute werden Schiffe gebaut mit einer Länge von knapp 400 Metern, die über 10.000 Container tragen können und eine Besatzung von kaum mehr als 20 Personen haben. Sie durchpflügen auf ihren fixen Routen die Meere, von einem Megahafen zum anderen. Shanghai, Singapur, Hong Kong, Dubai, Los Angeles oder Rotterdam, hier lägen die zentralen Umschlagplätze, sagte er und gestikulierte währenddessen mit seinen Händen. Fasziniert beobachtete ich, wie sie sich zunächst in kleinen, dann immer größer werdenden Kreisen bewegten und schließlich mit flatternden Fingern auseinander stoben. Dann lächelte er abermals. Ich verstand. Der berühmte Kipppunkt.

Ich wackle den Gang entlang, steige die steile Stiege hinauf zur Brücke. Der zweite Offizier hat gerade Dienst. Er grüßt mich und vertieft sich wieder in sein Spiel am Smartphone. Gelegentlich blickt er auf. Das Schiff steuert auf Autopilot gegen die anrückenden Wellen. Der Regen ist stärker geworden. Die dünnen Scheibenwischer schieben das Wasser zur Seite. Ich nehme das Fernglas und setze mich an den Tisch. Es gibt kein Ende, nur eine Sichtgrenze.

Notizen zu Majakowski:
In seinem Aufsatz schreibt Majakowski, dass bei der Produktion eines Gedichts die Fähigkeit, einen zeitlichen und örtlichen Abstand zu schaffen, notwendig sei. So beginne er ein Gedicht über den 1. Mai bereits im November. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Sehnsucht nach dem Frühling, der Proletarier_innenparade und den Feierlichkeiten am größten ist. Für ein Liebesgedicht empfiehlt er den Moskauer Stadtbus Nummer 7, bei dem das widerwärtige Gerüttel einem die nötige Distanz zu den Köstlichkeiten des Lebens verschafft. Als ich das damals in Havanna las, schmunzelte ich über seine konkreten, praktischen Ideen und dachte mir, dass die Distanz zu Europa und einer dortigen sozialen Revolution dem entspräche. Dennoch fiel mir nur wenig dazu ein:

Denn alles, was uns verbindet, ist das Vertrauen auf unsere Unterschiede.
Wir werden nie mehr eins sein.

Das Glück liegt in der Häresie.

Ich starre mit einem Fernglas in die Wellen. Es ist eine wirre Oberflächenstruktur. Sie bewegt sich in alle Richtungen, darunter dunkle Tiefe.

Ich weiß, was mich in Europa erwartet. Dynamik. Aufbruch. Allerorts formiert sich eine autoritäre politische Kraft, die sich in ihrem Chauvinismus an den Faschismen des 20. Jahrhunderts orientiert und sich aus wahnhaften Vorstellungen über Volk, Kultur, Nation und einstiger Größe und Herrlichkeit speist. Heimat. Ein schützendes Nest, während die Welt immer gastfeindlicher gemacht wird und die Lebenszusammenhänge brutaler und kälter werden. Ein Nest, umgeben von einer Drohkulisse katastrophaler Art. Globale Krisendimensionen, klimatische Veränderungen, permanente Kriegs- und Terrorszenarien, eine soziale Beschleunigung, ein ökonomischer Druck, die drohende Verknappung und das Verschwinden verschiedener Ressourcen und die Sehnsucht nach dem eigenen unberührten Garten.
Um dies alles ertragen zu können, wachsen die schnittigen Oberhäupter wie Pilze aus dem Boden, um die sich die Menschen scharen und sich unterstellen können. Lockende Giftpilze. Martialisch, militärisch, die das Elend als ein von außen kommendes erklären.

Ich drehe mich zum zweiten Offizier: „Schön ist die Ikaria.“ Er schaut auf, grinst mich an, dreht seinen Blick zum Bug: „Ja. Einen Monat muss ich noch hier sein.“ Nach einer Pause fährt er fort. „Dann bin ich für drei Monate zu Hause. Vielleicht komm ich ja wieder hierher. Ich mag das Schiff.“ Ich nicke. Er wendet sich wieder seinem Smartphone zu.
Ich denke an Mario von der Alfredo López Gruppe. Er erzählte uns, wie sie bei den Arbeiten nicht nur ihr neues Haus, sondern auch die Straßenecke renovierten. Riesige Wasserlachen waren dort, Müll und zwei zerbeulte Container. Sie hatten die Lachen mit Schutt aufgefüllt, die Fläche begradigt und den Müll entsorgt. „Die Dinge selbst in die Hand nehmen“, meinte er. „Die Leute müssen lernen, zu kooperieren und ihre soziale Kreativität entwickeln. Wir müssen einander stärken. Die nächste Katastrophe wird kommen.“ Wir hatten beide genickt. „Irma“, hat er hinzugefügt, und ich nickte weiter.

Am Ende hat auch Majakowski sich umgebracht. Er hat sich ins Herz geschossen. Das war 1930. „Wie man so sagt – „der Fall ist jetzt erledigt“, so beginnt sein Abschiedsgedicht. Dass es mit dem Sozialismus nicht mehr so gut lief, musste er bemerkt haben. In und um sein Leben zerschellte alles. Sein Abschied endet mit „den Hinterbliebenen: Glück.“

 

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