PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Autor_innen der PS#3
Imagination – Krise – Wirklichkeit

TEXTE VON

Alexandra Ivanova interessiert sich immer noch für Kommunismus, schreibt Essays und übersetzt bisweilen aus dem Russischen. Mitglied bei Kanak Attak Leipzig + Fan des Leseklubs in der feministischen Bibliothek MONAliesA.

Alisha Gamisch gibt workshops über genderrollen und postkoloniale perspektiven mit den vereinen Die Pastinaken münchen und Commit e.v., bloggt auf dem kulturpolitischen feministischen blog wepsert.de und organisiert lyrische interventionen auf dem Panama Plus festival, wo utopien neu gedacht werden. schreibt lyrik und prosa und lotet science fiction als möglichkeitsraum aus. ihrer ansicht nach ist schreiben ein nach-außen-treten und damit ein sich-positionieren. für texte ist es genauso schwer möglich, sich im luftleeren raum zu bewegen, wie für menschen oder cyborgs.

Ann-Christin Kumm
Ist das Private politisch, das Politische aber ein Auseinandersetzen mit Macht- beziehungsweise Unterdrückungsverhältnissen, kann es kein unpolitisches Schreiben geben. Beziehungen entwerfen, wie sie nicht sein sollten, mit Buchstaben sich und die Welt durchleuchten. Manchmal sind Denken und Schreiben eins.

Caren Jeß schreibt Dramatik und Prosa. Ihr Interesse gilt sozialen Missverhältnissen und Abweichungen von etablierten Normen. Sie zieht die Bloßlegung der Anklage vor. Ihr zweiter Vorname ist Erdmuth.

Carolin Krahl und Olivia Golde, Redaktionsmitglieder von PS

Corinna Widhalm verortet sich im queer-feministischen, antikapitalistischen Spektrum. Findet, dass politische Theorie und Praxis zusammengehören und sich beides im Schreiben verbinden lässt, aber nicht nur. Liebt Sprache(n) und kritische (Bewusstseins-)Bildung. Am Anfang jeder Geschichte steht die eigene.

Dietmar Dath ist Autor und Übersetzer. Er veröffentlichte bisher fünfzehn Romane, außerdem Bücher und Essays zu wissenschaftlichen, ästhetischen und politischen Themen. Musik macht er mit The Schwarzenbach.

Dinçer Güçyeter wurde 1979 in Nettetal im Rheinland geboren. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker und fand schließlich seinen Weg auf die Bühne. Später kamen Regiearbeiten hinzu. 2013 gründete er den Elif Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik und insbesondere Übersetzungen von türkischer Gegenwartslyrik ins Deutsche. Zurzeit betreut er Theaterensembles, schreibt, beobachtet, spaziert, spielt mit seinen Kindern und lebt.

Eva Brunner
steht den Positionen der linken Wochenzeitung Jungle World nah – Feminismus, Antifaschismus, Antirassismus, Kapitalismuskritik, Hedonismus. Das äußert sich in einem Abo, alltäglichen Handlungen und verschiedenen Texten (Wissenschaft, Journalismus, Lyrik).

Harrie Tosch ist Teil einer queeren Schreibbande mit einem Faible für kaputte Wörter und für die Poesie des ›Fuck You‹.

Hengameh Yaghoobifarah
In der Silvesternacht auf 2014 stand ich mit zwei Freundinnen an einem Bankautomaten und wollte Geld abheben, als sich ein schmieriger, mittelalter Typ zu uns stellte und unsere, insbesondere meinen, Körper kommentierte. Ich drehte mich zu ihm um und erwiderte auf seine Bewertungen: „Hast du dir mal überlegt, dass nicht alle Leute ihre Aussehensentscheidungen nach den Standards eines mediokren, alten, weißen Typen fällen?“ Er starrte uns verdutzt an und wir drehten uns um und gingen. Ich dachte mir in dem Moment: Wenn ich mich traue, sowas zu schreiben, dann will ich es auch im Alltag nicht nur denken, sondern auch aussprechen. Ansonsten kann das Patriarchat immer wegschauen und weghören.

Henning Bochert
Seine Texte und Produktionen zielen auf Internationalität und befassen sich mit dem Ringen der und des Einzelnen um Integrität in der Gesellschaft.

Horst Jahns lebt als Autor von Lyrik und Kurzprosa in Nürnberg. Nach einer abgebrochenen Lehre als Sozialversicherungsfachangestellter hat er in kaufmännischen Berufen gearbeitet und sich seine literarischen Kenntnisse autodidaktisch angeeignet. „Unterm Strich bleibt, daß man es als Autodidakt doch immer etwas schwerer hat als offizielle Kommilitonen. Man hat all die Jahre über unbewußt immer das Gefühl, man tue (lese, arbeite) zu wenig.“

Isa Rot (Pseudonym), geb. 1948 in Basel (Schweiz).
In meinen Kurzgeschichten geht es um Menschen, die an den Lebensumständen oder gesellschaftlichen Normen scheitern. Da ist der Besitzer eines kleinen Cafés, dem ein Supermarkt die Kundschaft nimmt, dort eine alte Frau, die in ihrer Einsamkeit verwahrlost und trinkt. Mir ist wichtig, dass der Mensch in seiner Gesamtheit respektiert wird, auch wenn er oder sie für die Gesellschaft zum „Problemfall“ wird.

Karu-Levin Grunwald-Delitz lässt Stimmen auf Bühnen sprechen, die andere nicht kennen oder hören wollen. Zuletzt hat er Stücke mit transidenten Jugendlichen und neurodiversen Menschen inszeniert, um ihren Anliegen Raum zu geben und Empowermentprozesse anzustoßen.

kaśka bryla geht lieber nach links statt nach rechts und fand geradeaus schon immer etwas langweilig.

Kerstin Meixner
Stärker prägend als konkrete politische Handlungen oder Aktionen ist für mich als Lehrerin außerhalb des staatlichen Schuldiensts der regelmäßige Austausch mit den Schülerinnen und Schülern, mit ihnen zu diskutieren, eigene Weltbilder zu hinterfragen und manchmal auch einen Mittwochnachmittag der Diskussion beizuwohnen: Wenn ich ein eigenes Land gründete, was wäre dessen Währung und würde ich sie nach mir benennen?

Kinga Tóth ist Schriftstellerin, Visual- und Sounddichterin, Performerin. Sie arbeitet im Vorsitz des József Attila Kreises für junge Literatur in Ungarn, lebt zwischen Ungarn und Deutschland und kämpft für Pressefreiheit, Frauen- und Kinderrechte, gegen häusliche Gewalt und für Demokratie (insbesondere in Ungarn).

Lena Vöcklinghaus liebt ausgedehnte Bootsfahrten und Feminismen, momentan vor allem die an Schreibschulen, und die Dokumentation von beidem auf Blogs und auf Instagram. Möchte in absehbarer Zeit eine Textsammlung veröffentlichen, Arbeitstitel: „Misanthropische Essays.“

Lula Witzescher betrachtet die Welt von oben und ist immer irgendwie anderer Meinung. In den Achtzigern lernte sie als Mitstreiterin in Berlins ältestem Frauenkollektiv, sich gegen (meist männliche) Vorurteile durchzusetzen. Heute unterstützt sie andere auf dem Weg in die wirtschaftliche Selbständigkeit.

Maja-Maria Becker. Die Autorin lebt in Leipzig.

Pega Mund: Arbeitet seit mehreren Jahren als Psychologin im heilpädagogisch-therapeutischen Bereich mit Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien.
Begegnungen, Berührungen aus dem beruflichen Alltag fließen in die Schreibarbeit ein.

Sämi Assir lebt in einem Dorf in der Schweiz, ist in der der Kleinstadt aktiv, öfters in der Großstadt zu Besuch und hält diese Gegensätze mal gerne, mal weniger gerne aus. Versucht irgendwas mit Bild, Sprache, Theater auf politisch, will sich aber bewusst sein, dass das Grundsätzlich-an-der-Welt-Rütteln auch andere Formen braucht. Die Gesellschaft wütender, entschlossener, trauriger Menschen gibt immer wieder aufs Neue Mut sich zu bewegen.

Sibylla Vričić Hausmann, Redaktionsmitglied von PS

Stefan Wartenberg lebt im untergrund, arbeitet an der oberfläche

Stefan-Manuel Eggenweber. Stefan ist gerne schön.

Zora Malkajewna. Mitte 20, seit ca. 9 Jahren aktiv. Man ließ mich nie in Ruhe. Streit, Support, schwarze Fahnen, Straßenmedic, private Trauma-Nachsorge für alle. Psychiatrie-, prekär-, unierfahren. Erzählt in allen Medien Geschichten von/für alle, die herausfallen. Queere Phantastik, Neomythen. Das Politische ist privat.

GESPRÄCHE MIT

Ulrike Draesner
Nachdenken ist politische Aktion.

Senthuran Varatharajah
Ich wurde 1984 in Sri Lanka geboren, im Krieg. Lange habe ich nicht verstanden, was es bedeutet, aus dem Krieg zu kommen, sein Produkt zu sein. Mein erster Roman könnte ein Versuch gewesen sein, das zu verstehen: wie Krieg und Tod Sprache und Körper formten, formen und immer geformt haben werden.