PS – Politisch Schreiben Anmerkungen zum Literaturbetrieb

Autor_innen und Vitae

Autor_innen der PS#2
«Genie wider Kollektiv»

Alexis Karamanidis
Ich bin in Griechenland aufgewachsen und habe dort mein Abitur gemacht. Es war immer klar, dass ich danach nach Deutschland gehen werde, um zu studieren. Griechenland, wie es zwischen Links und Rechts schwankte, mit Diktaturen bis in die 70er/80er, war immer interessant. Wer hätte gedacht, dass das Land der Erfindung der Demokratie seit kürzerer Zeit eine Demokratie ist als das durch Kriege geprägte Deutschland? Und wer hätte gedacht, dass ich später erfahren muss, dass selbst die Vorzeige-Demokratie Deutschland ihre Tücken hat. Irgendwie gibt es immer etwas zu verändern.

Anja Monden
Schreiben, um nicht nur zu überleben, sondern etwas fühlbar weiter zu geben. Politische Ehrlichkeit hinter dem, was ich tue, ist wichtig, und es wird versucht, sie umsetzbar vorzuleben, egal, ob beim gemeinschaftlich und solidarischen Wohnen und Wirtschaften oder im musikalischen, clownesken und theatralen Ausdruck. Ich lebe im Hofkollektiv Zwetschke / www.hofkollektiv-zwetschke.net.

Ann-Christin Kumm
Ist das Private politisch, das Politische aber ein Auseinandersetzen mit Macht- beziehungsweise Unterdrückungsverhältnissen, kann es kein unpolitisches Schreiben geben. Beziehungen entwerfen, wie sie nicht sein sollten, mit Buchstaben sich und die Welt durchleuchten. Manchmal sind Denken und Schreiben eins.

Anne Schildt, lebt und arbeitet in Leipzig.

blume (michael johann bauer)
als scheu=schüchterner junge, komplex=beladen, erfuhr ich redundant erniedrigung. musik & der glaube an das möglich=sein wahrer freiheit wurden mir in meiner pubertät ventil – existenzialisten geisterten im hinter=grund. (jaja (gern spanisch ausgesprochen), wenn man an große schwafler sich hält…) zeit verging/ist vergangen. bald hat die idee vom ich für mich an realität verloren – gleichermaßen irrelevant(er): dogmen/schier jedes relativ beliebig gesetzte kultur=diktat. dafür: meta=morphosen & ein sanfter hauch guter, alter =physik! weil, übrig, ein impuls bis prozess, der dem verändern – & sei es auch des sozialen – huldigt; spiel=raum/hier und jetzt.

Carolin Krahl forscht zu politischer und politisierter Kunst in nationalistischen Kontexten der Gegenwart, promoviert zum Schnittpunkt von Kritik und Kunst, schreibt Lyrik und Essays.

corinna marie wollfs politisierung war in erster instanz praxiserfahrung, der längere teil der zeit wurde dafür gebraucht, das und sich einzuordnen und zuverstehen; das gilt für die meisten bereiche, in denen corinna marie wolff engagiert ist: queer-feminismus und anti-diskriminierung – im alltag, online-aktivismus und in verschiedenen gremien der rosa-luxemburg-stiftung; kulturphilosophie – vor allem im studium; kunst – in vielerei hinsicht;

Deniz Utlu
2003 gründete er das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, das er bis 2013 herausgab. In seinen literarischen Reihen hat er sich immer wieder mit dem Verhältnis von Literatur und dem Politischen beschäftigt, so auch etwa mit der Reihe „Prosa der Verhältnisse“ im Studio Я des Maxim Gorki Theaters.

gender et alia arbeitet als Kollektiv, weil mit dieser Arbeitsweise die Vielstimmigkeit jedes Textes eine konkrete Form der Artikulation gewinnt. Als queer_feministische Übersetzer_innen arbeiten wir an gesellschaftlicher Veränderung und somit an einer Veränderung von Machtverhältnissen und der Fixierung von Macht als Herrschaft. Diese Prozesse stellen sich auch sprachlich her. Für unsere Arbeit heisst das unter anderem, historisch präzise Begriffe und Textverläufe zu entwickeln, die für Sexismen und Rassismen sensible sowie queere, nicht- heteronormative Effekte generieren. Unsere Übersetzungstätigkeit verstehen wir somit als Teil von Diskursbildungen und kollektiven Theorieproduktionen.

jiaspa_joshua möbe mag feministische science-fiction, ist sich aber bewusst, dass eine gefängnislose welt ohne nationalgrenzen möglich ist. dafür ist dann aber auch mehr als schreiben notwendig. und wie das genau mit dem politischen schreiben geht, ist noch herauszufinden.

Joke Janssen lebt und arbeitet in Hamburg an den Schnittstellen von Kunst, Wissen(schaft) und Aktivismus, so weit sich die denn trennen lassen. Sei_ne Arbeit zentriert mal mehr, mal weniger deutlich Körper, Verkörperungen und das Sich-Auf_Halten und Durchsickern im Netz unterschiedlicher Normierungsstrategien. Joke liebt das Scheitern, insbesondere im Kleinkollektiv. Irgendwie weit weg davon versucht er_ es allerdings gerade allein mit einem Projekt, dass sich künstlerisch-wissenschaftliche Promotion nennt und Worte zu finden versucht für Materialisierungen von Trans*.
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Suy Lan Hopmann arbeitet seit 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Berlin und beschäftigt sich mit politischen Kampagnen in der Volksrepublik China. In ihrem Leben – soweit sich dies denn von der Arbeit trennen lässt – denkt sie über Migration, vor allen Dingen der zweiten Generation, Gender und Sexualitäten nach. Bestimmend sind Erfahrungen von Uneindeutigkeiten, Zuschreibungen und dem Lernen, diesen Zähne fletschend ins Gesicht zu lachen. Suy Lan denkt, dass Reden Silber ist und Spüren Gold.

Gemeinsam denken, schimpfen, arbeiten, lachen und essen wir seit einigen Jahren, mal enger, mal entfernter, und immer wieder staunend wunderbar.

Kaśka Katherin Bryla wurde als Tochter polnischer Immigranten geboren. Schreibt als Teil feministischer und antirassistischer Bewegungen mit Theaterstücken, Kurzprosa und Langprosa gegen den heteronormativen Istzustand an.

Kerstin Putz lebt und arbeitet in Wien. Sie will Literatur als Erkenntnisinstrument begreifen und das Erzählen als ein Handeln von dem, was (noch) nicht ist.

KOLLEKTIV NOBILING glauben, dass mit Beziehung alles anfängt. KOLLEKTIV NOBILING finden das Kleine und Kollektive oft wichtiger als die Kampagne. KOLLEKTIV NOBILING sind in Soligruppen, auf Demos und an Außengrenzen. KOLLEKTIV NOBILING sind zwei Freunde, die in Hildesheim und Leipzig schreiben. KOLLEKTIV NOBILING sind ein Hund und eine Katze und Eduard Nobiling, der 1878 erfolglos versuchte, den deutschen Kaiser mit einer Schrotflinte zu erschießen.

Lars Uhlig
Man sollte sich nie vom ersten Eindruck fehlleiten lassen, sondern die Person hinter der Fassade kennenlernen.

laura juliane hatting, geb. 1994 in leipzig, derzeit in berlin im einsatz für unverlangte gegenwartsdramatik. immer auf mission gegen künstlerische gratismentalität und selbstreferenzielle langeweile. liest prinzipiell nicht ohne konzept. erhielt zwei anzeigen der polizei sachsen, ist nicht kreditwürdig und wird von einer kritikerin deutscher bibliotheken nicht empfohlen.

Marcus Kraft hat im sozialen und handwerklichen Bereich gearbeitet.

Mario Eßbach
Hallo zusammen! Mein Name ist Mario Eßbach, ich bin leidenschaftlicher Graffiti-Sprayer, Fußballfan und Go-Kart-Fahrer. Nebenbei sehr an Geographie und Weltgeschehen plus Geschichte interessiert (Ludwig XIV, Römisches Reich etc.). Politisch war ich bislang nicht aktiv, werde jedoch in Zukunft indirekt etwas unternehmen, was großen Einfluss auf die gesamte Weltpolitik nehmen kann, wenn dieses erfolgreich ist. Dieses Unternehmen wird nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, weil es eine Gefahr für das Leben aller im Bund befindlichen Personen ist. Es ist eine Unternehmung, die für das Gute in der Welt steht und ein bestimmtes Ziel verfolgt. Liebe Grüße, M.E.

Max Czollek wohnt seit 1987 in Berlin, wuchs in einem Lyrikkollektiv auf und verbringt seine Jubeljahre zwischen Baseballschlägern und Desintegration.

Max Dreste ist vor einigen Jahren nach Leipzig gezogen und ist politisch in der kommunistischen Gruppe the future is unwritten aktiv. Er ist Redakteur für die Zeitschrift mole des ums Ganze Bündnisses.

Maxi Obexer wurde in Brixen, Südtirol geboren, wo sie als Teil der deutschsprachigen Minderheit in Italien aufwuchs. Ihr jüngstes Hörspiel „Illegale Helfer“, das im April 2015 zum ersten Mal vom WDR gesendet wurde, erlangte im Sommer 2015 mit der sogenannten Flüchtlingskrise eine brisante Aktualität. Aus der Mitte der Gesellschaft erzählen Ärzt_innen, Richter_innen, Sozialarbeiter_innen und Studierende, wie sie ihr Engagement an die Grenzen der Legalität bringt. 2014 gründete Maxi Obexer zusammen mit Marianna Salzmann das Projekt: Neues Institut für dramatisches Schreiben. Ein Zusammenhang, eine Plattform, ein Netzwerk in deren Selbstverständnis es heißt: „Voranbringen möchten wir die stärkere Präsenz von Autorinnen mit migrantischem Background; dies entspricht dem Bedürfnis nach einem Theater, das die internationale Verfasstheit der Gesellschaft stärker als bisher zu repräsentieren vermag und das bereit ist, aus dem Reichtum der kulturellen Hintergründe ihr größtes Innovationspotenzial zu schöpfen.“

Meredith Alongi hört nicht auf, die Welt um sie zu betrachten und dadurch ihr Verständnis der Menschlichkeit zu vertiefen. Obwohl es ihr manchmal schwierig vorkommt, in so einer Umgebung zu leben, in der Leute sich unterhalten und miteinander kommunizieren, interessiert sie sich für den Prozess des weiteren Kennenlernens der Gesellschaft bzw. des Hierseins. Sie freut sich, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Milo Rau
1997 unternahm er erste Reportagereisen (Chiapas, Kuba) und war ab 2000 als Autor für die Neue Zürcher Zeitung tätig. Seit 2003 arbeitet Milo Rau als Regisseur und Autor im In- und Ausland. 2007 gründete er für die Produktion und Auswertung seiner künstlerischen Arbeiten die Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM – International Institute of Political Murder, die er seitdem leitet.

Nora Deetje Leggemann
Feministin. Gier nach starken Frauen, neuen Bildern, Taten. Kickboxen, solidarisches Landwirtschaften, Journalismus. Sonnenuntergänge, allein. Frische Luft.

Nora Müller lebt in Leipzig.

Pedro Zobel
1983 geboren. Momentan linker Aktivist auf Sparflamme, wohlwissend, dass die Verhältnisse wahrscheinlich selten weniger Anlass gegeben haben, für das sozialistische Endziel zu ackern.

Philmarie Theatdaggres
Autor, Theatermacher und Vorleser(Poetry Slam’s, Lesebühnen, politisch links-autonome Veranstaltungen) aus Innsbruck; Gründer der Theatergruppe “Theater der Aggressionen” und Durchführer der halbjährlichen Po.Lit.Lesebühne “literarische Umsturzversuche”; ist im Rollstuhl und sonst auch körperlich gesehen von der Norm abweichend (Das ist notwendig zu wissen, um seine Texte besser zu verstehen.) 2003-09 beim autonomen Kulturkollektiv “Grauzone”!; seit 2005 betätigt sich Philma nur mehr künstlerisch-aktivistisch; von 2011 bis heute oft in der selbstverwalteten Kneipe “Decentral” in Innsbruck.

Ralf Mohrmann
Ich bin 1968 in eine völlig gesunde und familiäre Umgebung hineingeboren. Nach Schule und mehreren Ausbildungen bin ich des Öfterenmit dem Gesetz in Konflikt gekommen, sodass ich den einen oder anderen Haftzeitraum durchleben musste. Im Prinzip lebte ich immer in zwei Welten: geschäftlich anerkannt und in Haft. Mein politisches Tun und meine Einstellung war und ist geprägt durch den Gerechtigkeitsgedanken und Ablehnung jeglicher extrem-politischen Haltung, egal ob links oder rechts. Ich verbrachte etwa ein Jahr auf Jamaika in engem Zusammenleben mit den dort ansässigen “Maroons” und habe so einen tiefen Einblick in menschliches Handeln und den Überlebenskampf, auch im politischen Sinne, gewonnen. Seit meiner Jugend kämpfe ich aktiv vor allem gegen Rechtsradikalismus, zumindest, was meine Standpunkte anbelangt. Rassismus, egal von wem, verabscheue ich zutiefst, auch Rassismus von farbiger Gesellschaft gegenüber Andersfarbigen. Ich habe da besonders viel davon auf Jamaika erlebt. Besonders die kombinierte Variante von Musik und Politik (zB. Reggae) halte ich für den effektivsten Kampf um Gehör. Leitsatz von mir: Gewalt darf lediglich den Unterdrückten vorbehalten sein!

rosali la monzta, aus berlin. mehr: https://rosalilamonzta.wordpress.com/

Saša Ivanova interessiert sich für Kommunismus, Erziehung und das gnostische Irrationale im 20. Jahrhundert. Sie ist mit dem Der Hessische Landbote verbandelt. Näheres zu erfahren unter: der_hessische_landbote@yahoo.de

Sascha Klein
Geboren 1988. Ich lebe und arbeite ich in Köln und habe Geschichte und Anglistik studiert. Ich schreibe Prosa, Lyrik und dramatische Texte. Manches davon konnte ich veröffentlichen, anderes auch unter eigener Regie aufführen. Als Kind aus nicht-bürgerlichen Verhältnissen habe ich eine starke Sensibilität für die allgegenwärtige Ausgrenzung aufgrund von Klasse ebenso wie von Ethnizität, Geschlecht oder physisch-psychischem Handicap entwickelt. Die Auseinandersetzung mit solchen Missständen ist mir in meiner künstlerischen Arbeit ein wichtiges Anliegen, die Ausweitung von Gerechtigkeit und Anerkennung menschlicher Diversität ein Leitziel. Die Verbindung von kritisch-emanzipatorischer Botschaft und ästhetischer Produktion haben sich für mich mit den Jahren als ungleich mächtigere Praxis erwiesen, als es sowohl die reine politische Agitation/Aktion als auch eine weitgehend selbstreferenzielle Kunst alleine je sein könnten.

Sasha Marianna Salzmann ist Hausautorin des Maxim Gorki Theaters Berlin. Sie ist die Mitbegründerin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext. Von 2012 bis 2015 war sie die künstlerische Leiterin des Studio Я, an dem sie unter anderem die Literaturwerkstatt RAUŞ – Neue Deutsche Stücke initiierte. Zusammen mit Maxi Obexer gründete sie 2015 das Neue Institut für Dramatisches Schreiben und leitet momentan die Literaturwerkstatt Flucht, die mich bedingt. 2016 war sie die Mitinitiatorin von Desintegration, ein Kongress zeitgenössischer jüdischer Positionen.

SchwarzRund schreibt, poetisiert und bloggt aus Schwarzer, queerer, Latin@, disabled, neurodiverser, pan und dicker Perspektive vor allem auf www.SchwarzRund.de. Sie forscht zu Interventionenstrategien und erzählt das anderen bei ihrer Vortragsreihe Schwarze Queere Musik als Interventionsform, später müssen dann alle zu den Liedern tanzen, das ist so Pflicht, deswegen legt sie gerne mit Videos auf. Mit Quasi
veröffentlichte sie 2015 im Selbstdruck ihre erste Novelle, derzeit entsteht Schwarzer Frost, ein queerer afropolitaner Roman, den sie mit Unterstützung von Zaglossus in die Buchläden bringen wird, um das weiße Establishment zu verunsichern, auch das mag sie. Politisiert haben sie ihre Eltern, weswegen sie anderen Kids schon früh mit politischem Schnickschnack auf die Nerven ging.

Sibylla Vričić Hausmann
In jugendlichem Alter hat mich die Mitgliedschaft in einem Verband, dessen Gruß „Freundschaft“ lautet, sehr geprägt. Abgesehen davon, dass der Begriff dort zu einer Parole degenerierte, die mehr oder weniger gedankenlos oder zitathaft unter jeden Brief etc. geschrieben wird, ist es doch ein zeitlos guter Gedanke, auf die Freundschaft zu setzen. Verglichen mit der Liebe ist sie ein offeneres kollektives Prinzip, weniger besetzt mit der Angst vor Verlust und narzisstischer Kränkung. Trotzdem schließt sie ein hohes Maß an gegenseitigem Einfühlen etc. ein – das kann man nicht für jede*n empfinden. Wer aus benachteiligter Position agiert, zum Beispiel als Frau, sollte m. E. bedenken, dass es nicht das „Durchboxen“ ist, was langfristig voranbringt, sondern die Fähigkeit, sich mit anderen zu verbinden, füreinander da zu sein. Nach dem Motto: „Lieben ist manipulierbar, Mögen aber / verhärtet sich zu glitzernd klarem Tand.“ (Ann Cotten)

Sofie Lichtenstein, Schreib- und Kunstfuzzi, Genderterrorist*in, Kampflesbe & Emanze, ((S)ex-)Fotograf*in, Herausgeber-Heini bei SuKuLTuR.